Grundlagen Gestaltung & Typographie
Die Typographie nahm ihren Anfang im Buch- oder Werksatz. Sie hat sich entwickelt, um das mühselige Schreiben der Bücher durch den Druck zu ersetzen. Der Werksatz bildet also die Grundlage der ganzen Typographie, früher und auch heute noch. Die Entwicklung brachte jedoch in der Anwendung der Typen eine große Wandlung, indem die Typographie auch für andere Zwecke angewendet wurde, nämlich für Gelegenheitsdrucksachen – Akzidenzen. Schon Gutenberg druckte Ablassbriefe im Auftrage des Bischofs. Andere Frühdrucker druckten Ankündigungen (Plakate) und Verordnungen der Obrigkeit. Mit der handwerklichen und industriellen Entwicklung kam zwangsläufig auch eine Erweiterung der Anwendung des Buchdrucks im Sinne der Werbung. Der immer stärker einsetzende Konkurrenzkampf zwang zu verstärkter Werbung. Diese muss originell und geschmackvoll dargestellt sein, soll sie anschaulich wirken und eine Empfehlung sein. Jede Mittelmäßigkeit der typographischen Formung kann diesen Zweck nicht erreichen.
Grundlagen sind immer auf Erkenntnisse gegründet. Alle, die mit Gestaltung zu tun haben, wissen, dass guten Proportionen eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Bei allen angewendeten Elemente auf einer Fläche ist die Wirkung derselben abhängig von deren Umgebung. Alle Elemente auf einer Fläche treten stets in Beziehung zueinander, sie bilden ein Verhältnis. Es entstehen Wechselwirkungen, Spannungen, Intervalle, die sinnvoll ausgewertet werden können, um einer Druckarbeit diejenige Stimmung zu verleihen, sozusagen diejenige Tonart zu geben, die dem Zweck und dem Wesen derselben entspricht.
Vergleichsweise könnte man sagen: Was die Harmonielehre in der Musik bezweckt, das soll gleichermaßen die Lehre von den Proportionen und Wechselwirkungen in der Typographie klären helfen. Schon in der klassischen Kunst haben die Maßgesetzte des Schönen ihre Anwendung gefunden, und es fehlt nicht an Regeln und Lehrsätzen, welche Berühmtheit erlangten. Der „Goldene Schnitt“ als eines dieser alte Schönheitsgesetze macht bekannt mit der Tatsache, dass nicht im Gleichmaß, sondern in der Steigerung (3:5:8:13:21 usw.) das Schöpferische und Schönempfundene liegt. Der Ursprung dieser alten Kenntnis liegt weit zurück – sie wird angewendet in allen gestalterischen Gebieten, der Architektur, der Malerei, der Plastik wie auch der Typographie, bewusst oder unbewusst.
Unsere Lese- und Betrachtungsgewohnheiten sind so different und schnelllebig geworden, dass gute Typographie heute sowohl Handwerk, technisches Wissen, Lehre als auch Wissenschaft beinhaltet
Die Lehre von den Maßgesetzen und Regeln ist den künstlerisch „Begnadeten“, nämlich denen, die das Gefühl für Formung von Natur aus haben, oft zuwider, zumindest unsympathisch, weil sie darin etwas Rechnerisches, Unschöpferisches, sagen wir sogar ein Hemmnis ihres künstlerischen Schwunges und ihrer Ideen erblicken, es geht gegen ihr Gefühl Dies soll, obwohl begreiflich, aber nicht sein, denn es ist in allen Dingen eine gewisse Gesetzmäßigkeit festzustellen. Auch eine Ablehnung ändert nichts daran. Auch mit einer Ablehnung sind diese Gesetze nicht außer Kraft oder irgendwie entwertet. Im Gegenteil, die Gesetze bestehen. Das Wissen um die Dinge soll keine Behinderung sein. Als Vergleich eignet sich gut die Gegenüberstellung von Sprachwissen und Sprachgefühl. So wie zum Beispiel das Sprachwissen das natürliche ererbte Sprachgefühl zwar noch steigern, dies aber niemals ersetzen kann, so ist es auch in gleicher Weise mit dem Wissen um die Maßgesetze.
Das Wissen um die Maßgesetze kann das natürliche künstlerische Gefühl des Befähigten noch verstärken, niemals aber ersetzen. Der weniger „Begnadete“ wird jedoch von groben Verstößen abgehalten. Es kann immerhin auch die die Kenntnis der Maßgesetze ein gewisses Verständnis für Geschmacksfragen erreicht werden, welchess die Beurteilung erleichert. Auch dem „Fühlenden“ wird manches sinnvoll erschlossen, was gefühlmäßig vielleicht unbekannt bleiben würde.
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Gute Typographie sollte den Inhalt beschreiben – nicht den Designer
Niemals ist aber Wissen schon Leistung. Letztere allein ist das Verdienst des Schaffenden. Eine sinnvolle Anwendung der Maßgesetze ist bei der Bildung der Dreizeilenfälle oder überhaupt bei der freien Gruppenbildung zu beobachten. Wir können hierbei obenstehende gut proportionierte Längenverhältnisse unterscheiden.
Alle diese schmatisch dargestellten Zeilenformate erhalten aber erst ihre eigentliche Berechtigung, wenn bei der Gliederung im praktischen Schriftsatz zugleich die vollständige logische Textgliederung die angewendete Form bestätigt. Dabei ist es vollständig gleichgültig, ob die eine oder andere Zeile um Kleinigkeiten in der Länge abweicht. Die Textlogik muss auf jeden Fall erstrebt werden. Andererseits verliert ein schöner Zeilenfall, entstanden auf Kosten der Textlogik, seinen Wert.
Bei der Wahl der Überschriften kann eine Abstufung nach oben durch Proportionierung im Verhältnis zur Grundschriftgröße erreicht werden, zum Beispiel zur 10-Punkt-Grundschrift eine Überschrift in 16-Punkt-Größe (Verhältnis 5:8). Selbstverständlich kann man dies nicht etwas blindlings ermessen, sondern es ist auch die Länge des Überschriftentextes in Betr
acht zu ziehen. Sobald nämlich die Überschrifen je mehrere Zeilen ergeben, würde sich dies optisch vergrößernd auswirken – man könnte in diesem Falle sich überhaupt zu einer anderen Steigerungsmöglichkeit entschließen, nämlich zu einer fetteren Schriftstärke, welche durch Kräftigkeit auszeichnet, wodurch man einen kleinen Schriftgrad wählen könnte. Je fetter die Auszeichnung, um so kleiner die Schrift. Mit anderen Worten: Was man an Stärke zugibt, kann man an Größe einsparen. |
Auch mit anderen Wechselwirkungen ließe sich die Frage der Überschriftanwendungen lösen, zum Beispiel durch Anwendung von kleinen Versalzeilen (in schöngeistigen Werken gleich wie in feinen Akzidenzen) oder durch Zeilen aus einem passenden Schriftcharakter, die dann belebend wirken. |
Das Wort
Jedes Wort setzt sich zusammen aus einzelnen Buchstaben. Im ausgesprochenen Mengensatz wie in Werken geht das einzelne Wort unter in der Gesamteinwirkung der Menge. In der Akzidenz jedoch kann sogar der einzelne Buchstabe im Wort durchaus zur Geltung kommen, nämlich dann, wenn es sich um Werbeworte oder überhaupt um Wörter handet, die von viel Papierraum umgeben und welche aus einem größeren Schriftgrade gesetzt sind. Jeder Buchstabe ist eine für sich vollkommen selbständig durchgebildete Kunstform, die, jede für sich allein angewendet, wie ein abstraktes, geometrisch gehaltenes Bild wirkt. Betrachten wir die einzelnen Buchstaben eines Wortes einzeln, so erweckt jede der Formen schon bestimmte Empfindungen. Beim Betrachten des nachfolgenden kurzen Wortes wird dies schon klar: Die drei Buchstaben unter sich sind formal ganz verschieden:
ORA
Die Rundform des „O“ ist beschwingt, wird wohlemfunden und verkörpert in ihrem Kreislauf die Unendlichkeit. Das „R“ dagegen hat eine Senkrechte, einen Halbkreis und eine Schräge und stellt ein unruhiges, problemgefülltes Gebilde dar. Das „A“ ist ein wohlfundierter, konstruktiver Buchstabe, der das Dreieck zum Symbol hat, also drückt sich auch in ihm der Dreiklang aus. So könnte man jeden einzelnen Buchstaben des Alphabets analysieren, und man wird danach die Schrift mit ganz anderen Augen ansehen. Das Erkennen der Schönheiten, die in den Letterformen enthalten sind, wird dem Akzidenzsetzer eine Welt erschließen, die ihm bisher verborgen war. Wenn man nun einige Buchstaben zu einem Wort zusammensetzt, so entsteht ein kombiniertes abstraktes Bild, welches unausgeglichen keine Einheit bildet, sondern infolge seiner verschieden zusammengelangenden Einzelformen viel eher auseinanderstrebt.
Diesen Zustand kann der Setzer aber abhelfen durch das Ausgleichen. Es ensteht dann ein Wortgebilde, das Ausrichtung zeigt. Es wird zum Begriff der Ordnung.
LABORA
Tatsächlich kann ausnahmsweise einmal der Fall eintreten, dass die Unausgeglichenheit des Wortbildes originell „abstrakt“ wirkt und vom künstlerischen Standpunkte aus berechtigt ist.
Nicht erlaubt aber ist das Unterlassen des Ausgleichens von Versalzeilen mit der Begründung, „es kommt nicht darauf an“ oder „die Zeit reicht nicht aus“. Jeder Kenner des typographischen Gestaltens weiß um die Sorgfalt, mit welcher Versalien auszugleichen sind. Man muss dabei ein gutes Gefühl walten lassen, damit man gut – nicht zu schwach und nicht zu weit – ausgleicht. Sogar Groß- und Kleinbuchstaben müssen hie und da einen Ausgleich unterzogen werden, besonders dann, wenn sie eine Hauptzeile einer schönen Akzidenz bilden. Diese Notwendigkeit ist nicht überall bekannt. Man beachtet den Unterschied in den beiden folgenden Wörtern. |
Die Sauberkeit in der Durcharbeit dieser Feinheiten ist ein wesentlicher Bestandteil guter fachlicher Grundlagen und bildet den Maßstab beruflicher Qualifikation. Dass ferner jedes Wort in seiner Wirkung, sobald es als Einzelbegriff eine besondere Bedeutung erhalten soll, individuell durch geeignete Schriftwahl wirken kann, muss jeder Setzer wissen, um sich dessen zu erinnern.
Wir lassen einige willkürlich gewählten Begriffswörter folgen und verwenden zu diesen diejenigen Schriftformen, die dem Inhalt des betreffenden Wortes formal etwas entsprechen. Schon der Anfänger wird überrascht sein, wie zutreffend die Begriffe auf die gewählte Schriftart passen. Es ist damit eine wichtige Erkenntnis gewonnen für das Arbeiten in der Akzidenz. Wir lassen nun die Schriften in diesem Sinne in einer Anzahl verschiedener Charaktere erscheinen unter dem nachfolgenden Zwischentitel:
Die Kunst des gestaltenden Setzers besteht vor allem darin, jeder Drucksache ihr besonderes Gepräge zu verleihen. Er wird zu diesem Zwecke sich im klaren sein müssen, welcher Schriftausdruck diesen Anfertigungen genügen kann. Sind diese Satzelemente bestimmt gilt es, damit den Textinhalt jede Form zu geben, die seinem Charakter entspricht. |
Schriftmischungen
Das Mischen der Schriften muss, so wirkungsvoll dies bei geschickter Verarbeitung und bei sinnvollem Einfühlen in das Wesen der Druckarbeit gelingen mag, als eine dekadente Erscheinung der Typographie angesehen werden. Dieses Urteil soll nicht etwas als eine Ablehnung angesehen werden, sondern es soll eine Mahnung zu Beschränkung sein.
Das Mischen geschieht meist, um durch das Gegenspiel der Formen Spannung und Reiz in die sonst zu wenig „spritzige“ Arbeit zu bringen. Man benutzt sozusagen die Mischung als Würze, und man kann in der Tat oftmals die schönsten Erfolge erzielen, nämlich dann, wenn ein Sinn darin liegt und wenn es mit Feingefühl für die Formen und in richtiger Abwägung geschehen ist.
Beim Mischen geht es weniger darum, einen Schriftcharakter gegen den anderen auszuspielen, sondern darum, durch Hinzunehmen einer dominierenden Schriftzeile oder Schriftgruppe der ganzen Druckarbeit eine bestimmte Note zu geben. Dies im Sinne wie es die Beispiele in em Abschnitt „Wort“ andeuten.
Beinahe nirgends sonst wird leider soviel Unschönes geleistet wie im Schriftmischen. Vor allem sollten alle Anführgespanne die Lehrlinge rechtzeitig davon abhalten, willkürlich, ohne die nötigen Stilkenntnisse das Durcheinanderverwenden von Schriften vorzunehmen. Gefährlich ist das Schriftmischen, wenn die nötige Zurückhaltung fehlt und die Meinung auftaucht, mit dem Schriftwechsel sei die Mischung gemacht. Es mögen folgende Anweisungen beachtet werden:
- Das Schriftmischen ist eine „geschmacklich“ gelenkte Operation, welche zudem bestimmte Schönheitsgesetze untersteht und der schriftgeschichtlichen Kenntnisse nicht ermangeln darf.
- Alle Durcharbeiten, die auf lange Zeit Bestand haben sollen, nämlich vor allem Bücher, sollen möglichst ohne Schriftmischungen hergestellt werden – denn Mischungen sind Zeiterscheinungen und der Mode unterworfen.
- Am ehesten können Schriftmischungen angewendet werden bei Arbeiten, die eine kurzfristige Lebensdauer haben, wie Prospekte und sonstige Werbung. Übrigens haben die Werbedrucksachen in neuerer Zeit hauptsächlich die Schriftmischerei in Schwung gebracht, weil eine bestimmte Eigenart der Werbung in der Überraschung, in der „Originellität“ liegt. Auch hat die Werbedrucksache noch mancherlei Ansprüche zu genügen, die mit der Verwendung besonderer Schriftzeilen verbunden sein kann, um außergewöhnliche, der Werbeabsicht zuträgliche Stimmungen beim Empfänger auszulösen.
- Es gibt kein absolut geltendes „Rezept“ für das Schriftmischen, sondern nur Anleitungen, die sich auf die Stilkunde, das Stilempfinden und auf die ästhetisch gelenkte originelle Idee stützen.
- Nich alle einmal gelungenen Mischungen eignen sich gleich gut in anderen Fällen der Anwendung, denn die Möglichkeit der Mischung wird nicht nur von optischen, sondern meist auch noch von logischen Absichten unterstützt.
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Gott segne Kupfer, Druck und jedes andere vervielfältigende Mittel, so dass das Gute, was einmal da war, nicht wieder zugrunde gehen kann. Johann Wolfgang von Goethe
Und nun sollten einige praktische Erwägungen folgen mit Schriftmischungen. Die Mediäval passt nicht zur Antiqua, weil ihre Schraffenrichtung eine vollkommen andere ist und auch die Schriftlagen dieser beiden Schriften vollkommen abweichen. Die Antiqua erscheint konstruiert, während die Mediäval mit der Breitfeder nachgeschrieben werden könnte. Die Antiqua ist fein ausgerichtet auf waagerechte Haarstriche und kräftige Senkrechten, während bei der Mediäval die Ansätze und die Druckstellen schräg liegen.
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Die Gotisch könnte als übergeordnete Hauptzeile noch gut zur Mediävalgrundschrift verwendet werden, weil hier ein übereinklingendes, verbindliches Zusammengehen der eigentlich grundverschiedenen Formen zu beobachten ist. Die Mediäval wurde gleich wie die Gotisch aus geschriebenen Schriften zu Druckschriften entwickelt. Beider Schriften haben Schrägansätze |
Die Egyptienne eignet sich noch am ehesten als kräftige Auszeichnungsschrift zu einer Antiqua, denn sie stellt eigentlich mit ihren rechtwinkligen Schraffen ein Fortissimo zur Antiqua dar. Auch ist die Schriftlage absolut waagerecht wie bei der Antiqua. In gleicher Größe als Hauptzeile nebeneinandergestellt, sollte auch diese Mischung möglichst unterbleiben, da ein gewisser Zweispalt in der optischen Höhenlage der Schriftlinie eintritt. Es sollte nicht zu einem Gegeneinanderausspielen kommen. |
Englische Schreibschrift
Die englische Schreibschrift passt zur charakterlich gleichgestimmtes Antiqua, weil auch hier die Staben in den waagerechten und senkrechten Linien im Wechsel von fein und kräftig übereinklingen. Die Schreibschriftzeile wirkt als Auszeichnungsschrift zur Antiqua belebend. Die englische Schreibschrift ist eine typische lateinische Schriftform, gleich wie die Antiqua. |
Die englische Schreibschrift passt stilistisch nicht zur Grotesk, und trotzdem kann sie verhältnismäßig gut aussehen, solange die Grotesk in einem mageren Schnitt und in einem kleineren Grade zurückgehalten wird, damit die Schreibschriftzeile voll dominieren kann. In größerem Grade jedoch neben die englische Schreibschrift gestellt, wirkt die Mischung unerträglich. Das Wesen der Grotesk mit dem gleich starken Schnurzug der Buchstaben steht im Gegensatz zu den lebensvollen, weich und kräftig betonten Schriftzügen der Schreibschrift. Die englische Schreibschrift verträgt auch keine kräftige Grotesk neben sich, solange diese nicht etwas durch die Anwendung einer absolut zurücktretenden Farbe auf das notwendige Maß zurückgehalten wird. Stilistisch wäre eine solche Mischung stumpf und unerfreulich.
Praktisch würde sie trotzdem angewendet, wenn durch die Farbanwendung eine gewisse Isolation der Stilgegensätze erfolgte. Das ist die Praxis, die sich über mahnende Stilempfinden oft hinwegsetzt mit dem Gegenmittel geschickten Manövrierens durch raffinierten Farbausgleich oder extravagante Stellungen in der Fläche oder durch vollständige Isolation mit viel Papierraum. Fraktur, Gotisch und Schwabacher sollen nie gegeneinander gemischt werden, während die Schwabacher, gleich wie auch die Gotisch, sich als Auszeichnung für Überschriften zur Mediäval eignet. Bedingung bleibt aber stets, dass die Mischungen mit Feinempfinden vorgenommen werden.
So hat auch die Grotesk neben der Antiqua als Mischungstype eigentlich keine Berechtigung, und doch wird dies in der französischen Typographie zwanglos angewendet. Aber auch im deutschsprachigen Gebiet werden zum Beispiel zur Antiqua-Grundschrift die Überschriften in einer schmalen fetten Steinschrift in Versalien aus kleinem Schriftgrad gesetzt, so zueinander in feinen Gegensatz gebracht. Die Wirkung ist verblüffend gut, dies trotz der stilistisch zu verneinenden Mischung. Das Mischen setzt ein formales Feinempfinden voraus. Der harmonische Wohlklang wird von stilistischen und ästhetischen Bedingungen bestimmt. |
Begleitelemente
Als Begleitelemente zur Schrift gelten Linie, Fläche, Schmuck und Bild. Diese Elemente erfüllen also in der Typographie nur eine begleitende Aufgabe, immerhin mit dem Hinweis, dass es Drucksachen gibt, welche zweckbedingt dieses oder jenes Element im vorherrschender Weise enthalten. So beispielsweise bei Werbedrucksachen, in welchen der Schriftsatz durch Illustrationen „anschaulich“ begleitet wird. |
Linie
Die Linie ist optisch ausgedrückt ein gedehnter Punkt, der die Schrift in neutralster Weise begleiten kann. Sie dient zur Gliederung des Satzes, zur Begleitung, zur Trennung oder zur Verbindung von Gruppen, sie umrandet und schmückt. Das Linienelement bietet in sich durch verschiedene Stärkenanwendungen oder durch die Häufigkeitsanwendung viele Möglichkeit des Wirkens auf der Papierfläche. Hierbei gilt seitens des Gestalters das Abwägen und das Erkennen. Wir kennen außer der geraden noch die gebogene, die an- und abschwellenden, die Wellen- und die Kreislinie. Duch Kombination von feinen und fetten Linien lassen sich die schönsten Wirkungen und Effekte zur Unterstützung der Schrift erreichen.
Dass zeitweilig der Linienbildsatz sehr geübt wurde, soll nicht unerwähnt bleiben, weil es früher Typographen gab, die Erstaunliches auf diesem Gebiet leisteten, teils in gutem, teils in schlechtem Sinne.
An Verwertungsmöglichkeiten feht es bei der Linienanwendung nicht. Bei der Linie als Umrandungsmittel wird die Lichtsteigerung zur Schrift oder die Raumaufteilung die erwünschten Spannungen im Sinne guter Allgemeinwirkung ermöglichen.
An den vorstehend dargestellten wechselvollen Gegenwirkungen ist zu ersehen, wie reichhaltig eigentlich in Steigerungen der Linienumrandungen gearbeitet werden kann, wenn man sich klar wird über den Zweck, die Betonung, die Absicht, die man in irgendeine kleine Arbeit hineinlegen möchte. |
Fläche
Sie tritt auf als Papierfläche, als volle Farbfläche, als Untergrund, als gemusterte oder als Negativfläche sowie Rasterflächen. Die Fläche dient als schmückendes und erfreuendes Element in Farbe oder Ton oder wirkt flächendeckend in der Anwendung. Die Fläche als Begriff vereinigt auf sich eine der wichtigsten Position in der ganzen typographischen Gesaltung. |
Schmuck
Als Schmuck bezeichnen wir hauptsächlich die Ornamente. Ornare heißt schücken, und Ornamente sind Schmuckstücke. Es gibt wenig Ornamente, die dem heutigen Geschmacks- und Stilemfinden noch genügen können. Außer einigen edlen klassischen Formen wie Mäander und Perlenschnüre ist der zeitlose Weißschmuck zu nennen, sowie die Federzüge, die aus der Zeit der Schreibmeister oft vereinfacht übernommen und im Schriftguss hergestellt wurden. Das Anwenden des Schmuckmaterials im Schriftsatz erfordert Geschick und Feingefühl für das sinnvolle und formenrichtige Setzen. Auf feinen Karten zu einem Familienfest oder geeigneten Anlässen lässt sich der Schmuck anbringen. |
Bild
Als ein weiterer Schmuck könnte das Bild auf der Drucksache gelten. Es steht sogar in engerem Kontakt zur Schrift als der sogenannte Schmuck, denn sogar aus dem Bild entwickelte sich die Schrift und der schriftliche Ausdruck. Man kann sagen, vor der Schrift war das Bild als Mitteilungsmittel in Gebrauch und die Chinesen haben ja heute noch Bildzeichen für den Schriftsatz. Wir unterscheiden in der heutigen Anwendung den Holzschnitt, die Strichätzung und die Autotypie. Bestimmte Werbungen sind ohne das Bild kaum noch denkbar. Gestalterisch zur Anwendung kommen Vignetten, Photomontagen, Detailausschnitte von photographierten Gegenständen zum Zwecke der Aufklärung, Belehrung, Werbung oder als Stimmungsmittel. Schrift und Bild müssen sich stets gut ergänzen. |
Symmetrie · Asymmetrie
Wir unterscheiden in der tpyographischen Gestaltung zwei grundverschiedene Satzweisen: Die Symmetrie oder Mittelachsengruppierung und die Asymmetrie oder seitliche Gruppierung.
Bei symmetrischem Satz, dem zentralisierten Satzsystem also, werden alle Satzelemente auf Mitte geschlossen. Die Gesamtwirkung wird von der Papiermitte aus erwogen und beurteilt. Die Papierräder werden links und rechts gleich verteilt. Die Höhenstellung ist in der Regel optisch vorzunehen, d.h. die unteren Papierränder sind stets etwas größer als die oberen, damit die Satzarbeit beim Betrachten nicht als zu tief stehend empfunden wird.
Der symmetrische Satz wird also die klassische Satzweise angesehen. Immerhin ist zu bemerken, dass auch in den ältesten Werken der Buchdruckerkunst Spuren der asymmetrischen Anordnung zu finden sind, dies nämlich bei Registersätzen, Kalendersätzen und überhaupt bei allen im Reihensatz hergestellten Gedichtssätzen. – Die Zeilen beginnen auf linker Satzkante und laufen nach rechts frei aus, je nach ihrer natürlichen Länge. Der asymmetrische Satz ist eigentlich die natürlichere Satzweise, weil die Zeilen mit Normalraum ausgeschlossen und nicht verringert oder erweitert werden müssen. Die innere Geschlossenheit des Satzes ist vollkommen gewahrt, während bei symmetrischem Blocksatz die innere Geschlossenheit mehr oder weniger aufgegeben wird (durch das Verringern oder Erweitern), um mit allen Zeilen auf eine einheitliche Satzbreite zu kommen – es wird also die innere Geschlossenheit der äußeren Blockform wegen aufgegeben. Beim asymmetrischen Satz ist dies aber umgekehrt.
Im Akzidenzsatz wird die asymmetrische Satzweise deshalb bevorzugt, weil sie spannungsreicher ist und bedeutend mehr Flächenaufteilungs- und –belebungsmöglichkeiten bietet. Aber es darf gesagt werden, dass in der Asymmetrie größere Schwierigkeiten liegen.
Die Beurteilung der asymmetrischen Flächenaufteilung darf nie von der Mitte aus geschehen, denn es handelt sich hier um ein dezentralisiertes Satzsystem, bei welchem Horizontal- und Vertikalspannungen zugleich aufeinanderwirken und diese sinnvoll wie auch gefühlsmäßig befriedigen müssen.
Bei asymmetrischer Satzweise zeigen sich stets unterschiedliche Papierränder. Die Betonung der Flächenmitte ist zu vermeiden, da diesem Prinzip zuwiderlaufend.
Trotzdem findet auch die asymmetrisch gestaltete Arbeit einen Ausgleich auf der Fläche, damit sie Halt bekommt und das Auge befriedigt. Durch Bildung von Gruppen oder Einzelzeilen oder durch geschickte Platzierung von Signeten oder Vignetten wirs stets eine Gegenwirkung erstrebt, die zu schönen Zwei- Dreiklängen führt. Der Wohlklang des harmonischen Zusammenwirkens aller angewendeten Elemente erfordert viel Feinempfinden seitens des Gestalters.
Da besonders bei der asymetrischen Satzweise alle Räume proportioniert sind, also auch proportionell aufeinanderwirken, so kann man bei einer gutgestalteten Arbeit vom Papierformat nichts mehr abschneiden, ohne dass nicht auf die Arbeit an Wirkung einbüßt. Wenn man dies trotzdem könnte, so ist dies ein Beweis, dass die betreffende Arbeit nicht gut gestaltet war. Man sollte eigentlich bei jeder Arbeit, die man asymmetrisch löst, zuletzt diese kleine Übung (durch Abdecken mit einem schwarzen Papierstreifen) machen, um sicher zu sein, dass man in jeder Beziehung reif arbeitete.
Es ist noch eine Grundforderung beim Gestalten von asymmetrischen Sätzen zu beachten, nämlich, dass neben der Bilduns von Horizontalen (Waagerechten) der Bildung von Vertikalen (Senkrechten) die nötige Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Die Waagerechte ist das tragende Element. Unter Bildung beider Formen bei der Textzergliederung kann die Arbeit den nötigen Schwung im Aufbau erhalten. Es ist nützlich, die umstehenden Zeilenrhythmisierungen daraufhin zu betrachten.
Man beachte bei der asymetrischen Anordnung die optische Höhenstellung und die schönen Zeilenfälle. Die seitlichen Räume sind gleich, der untere Raum größer als der obere, damit die Karte optisch angenehm wirkt.
Bei der asymmetrischen Anordnung beachte man die gesteigerten Räume über, neben und unter der einzeiligen Lösung. Die dreizeilige Lösung zeigt eine Gruppe, welche mit iherer linken Satzkante die Fläche etwa 5:8 aufteilt.
Während bei den symmetrischen Karten sich alles auf die Mittelachse richtet, beobachten wir bei den asymetrischen Karten die bedeutend abweichend abwechslungsreicheren Möglichkeiten der Flächenaufteilung und der Gliederung der Satzgruppen. Alle Papierränder und alle Flächenteilungen liegen außerhalb der Gleich- und Mittelbetonung. |
Gestaltung
Jeder typographischen Gestaltung liegt ein Manuskript zugrunde. Das Manuskript ist das Fundament, auf welches sich jede Formung geistig und geschmacklich stützt. Jede Drucksache hat mindestens folgenden Grundforderungen zu entsprechen, nach denen sie auch beurteilt wird.
- Zweckmäßigkeit
- Originalität
- Gute Satztechnik
- Gute Farben- und Papierwahl
- Sprachlich und orthographisch fehlerfrei
- Guter Gesamteindruck
Damit sind die wesentlichen allgemeinen Bedingungen genannt, die man von Fall zu Fall noch erweitern kann. Die Zweckmäßigkeit ist wegleitend bei der Wahl der Mittel, und es ist von Nutzen, die Akzidenzdrucksachen zunächsteinmal in zwei großen Gruppen zu teilen.
Als Zweckdrucksachen kann man alle nachfolgenden Akzidenzarbeiten zählen, die der Ordnung, der Registrierung, der technischen Genauigkeit, dem internen kaufmännischen oder amtlichen Verkehr dienen, wie Büroformulare, Karthothekkarten, Quittungen, Anmeldungen und sonstige ordnende oder technische Sorten.
Das Gestaltungsprinzip wird hier geleitet von den Bedingungen: Ordnung, Übersicht, Sachlichkeit. Die zu verwendenden Schriften sind einfach, klar, formal einwandfrei, schlicht und unschmückend. Am besten eignen sich hierzu die unpersönliche Groteskschrift und einfache Linie.
Unter anschaulichen Drucksachen sind diejenigen zu verstehen, die man als feine Akzidenzen bezeichnet und die für private und gesellschaftliche Anlässe bestimmt sind, wie Einladungen, Geburts-, Verlobungs- und Vermählungsanzeigen, Programme, feine Heimwerbungen, welche Beschaulichkeit haben sollen. Es gehören hierzu auch die feineren Geschäftsdrucksachen udn Werbeprospekte, Kataloge und Urkunden. Diese Drucksachen sollen beim Betrachten das Auge längere Zeit erfreuen, weshalb hier Elemente und Schriften angewendet werden dürfen, die diesen Zweck dienen.
Immerhin gibt es nter den anschaulichen Schriften und sonstige Elemente die verschiedensten Formen, und es hängt von der Wahl der Mittel ab, welche Nuance in die betreffende Drucksache hineingelegt werden soll.
Wir wollen einige solcher Nuancen unterscheiden, zum Beispiel:
- zart
- elegent
- schmückend
- religiös
- ruhig
- freudig
- Stil
- festlich
- lieblich
- bewegt
- streng
- Trauer
- abstrakt
- massiv
- würdig
- freundlich
- modisch
- bibliophil
- reklamehaft
Durch eine geeignete Schriftwahl kann die gewünschte Stimmung weitgehend erreicht werden. Uns stehen also für diese Nuancen Schriftcharaktere zur Verfügung, ähnlich wie dem Komponisten die verschiedenen Tonarten. Nun zu den weiteren Punkten der Gestaltung. |
Papier
Das Papier als Träger der gedruckten Typen wird nach praktischen und ästhetischen Gesichtspunkten gewählt. Für eine Drucksache, die ansprechend und dauerhaft sein soll, scheidet ordinäres, holzhaltiges Papier aus.
Den verschiedenen Ansprüchen wie Lichtechtheit, Knitterfestigkeit, Saugfähigkeit, Stärke, Gewicht, Oberflächenbeschaffenheit, Laufrichtung, Farbtönung und Schreibfähigkeit muss das nötige Augenmerk geschenkt werden, will man bei der späteren Verwendung der Drucksache keine Enttäuschung erleben.
Papier aus gutem Werkstoff regt den Gestalter der Druckarbeit meist zu schöpferischer Formung an. Zu vermeiden ist die Anwendung künstlicher Büttenränder, sie wirken kitschig und unechte, dagegen sind gerissene Papierränder ohne weiteres anwendbar und von guter Wirkung. Die richtige Papierwahl verleiht der gut gesetzten Arbeit die letzte Abrundung. |
Formung
Die Formung des Satzes ist schon weitgehend bestimmt durch das Erkennen der Nuance und durch das richtige Gefühl für die Zweckbestimmung. Immerhin spielt hier eine gewisse Originellität des Gestalters hinein, die manche Überraschung bringen kann – und Überraschung in gutem Sinne ist bei Werbedrucksachen in der Reihe anderer Werbungen ein wesentliches Plus. Aber auch hierhin muss das rechte Maß erkannt werden, damit Überordnung vermieden werden. Die Spannungsmöglichkeiten der Formung liegen im feinen Gegenspiel der Elemente, Schriftgruppen oder Papierräume zueinander. Alle Elemente treten auf der Papierfläche stets in Beziehung zueinander. So wirken kleine und große Schriften, magere und fette oder ruhige Schriftgruppen gegen bewegte Belebungszeilen in ihrer Wechselewirkung zueinander. Immer wird aber hierbei weise Beschränkung auf wenige Gegenwirkungselemente, möglichst nicht mehr als drei, beachtet werden müssen. Jedes Zuviel endet in Unruhen, jedes Zuwenig in Langeweile und Spannungslosikgkeit. Hierbei gilt es also fein abzuwägen, und dies muss immer in zuträglichem Sinne zum Manuskriptinhalt geschehen. |
Farbe
Bei der Anlage schöner Drucksachen sollte der Gestalter hie und da auch die Verwendung einer zweiten Farbe denken. Wie erfrischend hebt sie sich aus der Reihe der übrigen Drucksachen hervor. Schöne Farbigkeit erfreut, regt an und sollte auch in unserem Beruf in geeigneten Fällen erwogen werden. Farbigkeit soll aber nicht mit Buntheit verwechselt werden. Farbkigkeit erfreut, regt an und sollte auch in unserem Beruf in geeigneten Fällen erwogen werden. Farbigkeit soll aber nicht mit Buntheit verwechselt werden. Ein Buntheit wird leicht bei demjenigen eintreten, der die Farbe nicht auf ihre Feinheiten hin berurteilen kann. Für den Akzidenzdruck wird es sozusagen stets notwendig sein, sofern zwei bunte Farben zusammen auf der gleichen Papierfläche verarbeitet werden, durch Brechen oder Auflichten der einen oder anderen Farbe die Kontraste zu mildern, um eine feine Harmonie zu erzielen. Meist wird ja Schwarz die Grundfarbe sein, zu welcher eine Auszeichnungsfarbe hinzutritt.
Man muss auch daran denken, dass es Symbolfarben gibt. Die starke Verwendung solcher Farben lässt auf eine bestimmte Absicht schließen:
Gold = Jubiläumsfarbe bei 50jährigem Bestehen
Silber = Jubiläumsfarbe bei 25jährigem Bestehen
Rot = Liebe, Freiheit
Grün = Hoffnung
Blau = Glaube, Treue, Romantik (auch die Farbe für Wasser- und Eissport)
Violett = Buße, Trauer, auch Modefarbe
Weiß = Unschult, Reinheft
Scharz = Trauer |
Gesamteindruck
Der Gesamteindruck einer Drucksache soll so sein, dass der Beschauer sich angesprochen fühlt und sie angenehm empfindet. Da sich Drucksachen an die verschiedenen Gesellschaftsschichten wenden, so muss hierbei die nötige Aufmerksamkeit walten. Es geht aber nicht an, dass ein Setzer vollständig abwegige Satzexperimente wagt, die nur ihm und vielleicht noch einm kleinen Kreis ihm Nahestehender verständlich sind, vom gewöhnlichen Lesenden aber ganz und gar nicht verstanden und auch nicht erfasst werden. Soviel Logik muss der formbegabte Setzer aufbringen, um zu erkennen, wann er seine Liebhabereien mit Erfolg anwenden kann und wann nicht. Der Gesamteindruck muss verständlich und im ganzen gut bleiben. Das soll durchaus nicht heißen, dass man nicht experimentieren darf, um eine originelle Note in die Drucksache zu bringen. Eigenart macht viele Drucksachen sogar erst recht sehenswert. Neuartige Versuche sind immer zu begrüßen, denn sie fördern die Möglichkeiten für die praktische Verwertung. |
Wirkung
Die Wirkung der Drucksache soll dem geistigen Gehalt des Textes die beste Bestätigung geben, in dem sie wirklich, d.h. von dem Empfängern formal so passend empfunden wird, dass man ihr die eroffte Aufmerksamkeit schenkt – sie also ihren Zweck erfüllt. Die Wirkung ist erreicht, die Aufgabe gelöst.
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Privatdrucksachen
Bei allen Privatdrucksachen gilt es, eine gewisse Zurückhaltung zu bewahren. Der private Charakter muss auf jeden Fall gewahrt bleiben. Der Setzer wird gut tun, sich ein möglichst zutreffendes Bild von der Art der Persönlichkeit des Auftraggebers zu machen, um so die richtige Inspiration für die Arbeit zu bekommen. Jede Privatdrucksache sollte zu ihrem Namensträger passen. Es ist mit den Drucksachen etwa gleich wie mit den Farben: Nicht jede Farbe passt gleich gut für jeden Menschentyp. Eins kann man sich aber mit Gewissheit merken: Eine gute Drucksache ist eine gute Empfehlung und lässt gewisse Rückschlüsse auf ihren Besitzer in bezug auf seinen Charekter vor allen Dingen aber auf sein Schönheitsempfinden ziehen. |
Visitenkarten
Der Zweck der Visitenkarte war ursprünglich eine Besucherkarte, welche man bei der Ankunft dem Dienstboten abgab, der die Anmeldung dann besorgte. Durch die Karte wurde eine peinliche Entstellung des Namens, wie dies bei bloßem Vorstellen und Namennennen leicht geschechen kann, vermieden. Sie war ursprünglich vor allem in den höheren Gesellschaftskreisen und in der Diplomatie in Gebrauch. In der heutigen Zeit ist jedoch die Visitenkarten bedeutend mehr verbreitet. Ein Großteil der Jugend hat heute eine Visitenkarte, die unter Freunden und Bekannten ausgetauscht wird, zum Teil auch Bekanntschaften anbahnen hilft. Sie wird auch benutzt als private Merkkarte für gegenseitige Abmachungen und für Mitteilungen und sonstige kleine Verbindlichkeiten. Als Formate, wobei die Herrenformate eher größer sind als die Damenformate. Die Schriftwahl richtet sich nach der Persönlichkeit für welche die Karte hergestellt wird. Während für Herren Antiqua- oder Groteskschriften bevorzugt werden, wählt man für Damen auch hie und da Zierschriften. Visitenkarten sollten nicht zu groß gesetzt werden. Entsprechend dem kleinen Format genügt für die Hauptzeile 8 bis 12 Punkt und für die Adresszeile 4 bis 8 Punkt. Ausnahmen sind ohne weiteres auch möglich, wie sich geschmacklich überhaupt oft andere Möglichkeiten ergeben, die, wenn fein empfunden und sinnvoll ausgeführt, für sich sprechen. |
Geburtsanzeige
Die Geburtsanzeige wird als einfache oder als Klappkarte verschickt. Als Format wählt man Hoch- oder Querformat, meist nicht größer als A6. Die Texterfassung ist recht verschieden. Während sich viele Auftraggeber darauf beschränken, eine Anzeige zu verschicken, aus welcher die freudige Mitteilung der Geburt, der Name der Neugeborenen, das Datum der Geburt, der Name und die Adresse der Eltern zu ersehen sind, belieben andere, literarisch eingestellte Eltern, ein feinsinniges, ihnen passend erscheinendes Gedicht vorzustellen. Neben der schlichten Geburtsanzeige entstehen auch ganz originelle Formen. Es kommt hier nun wirklich auf die Einstellung des Auftraggebers an, der bei Aufgabe der Arbeit in der Druckerei die Wünsche ausspricht. Als Schriften eignen sich für die Geburtsanzeige eigentlich alle guten Antiquaschriften, auch feine Groteskschriften, Kartenschriften, englische Schreibschriften, Gravur- und auch Zierschriften. Neben klassichen Versalsatz auf Mitte ausgeschlossen finden wir auch neuzeitlichen asymmetrischen Satz angewendet. Es lassen sich verschiedene Nuancen erkennen, die man auf die Geburtsanzeige anwenden kann, nämlich: freudig, zart, kräftig, zurückhaltend, bewegt, klassisch, modern. Die Wahl der Mittel wird sich ganz auf die gewählte Nuance einstellen. Hierbei muss der Setzer viel Feinempfinden aufbringen. |
Vermählungsanzeigen
Einen besonderen Platz in der Reihe der Privatdrucksachen nimmt die Vermählungsanzeige ein. Gleichzeitig muss auch die Verlobungsanzeige genannt werden, die unter ganz ähnlichen Gesichtspunkten gehalten wird. Für die Karten, die meist gefalzt werden, sind außer Normalformat A6 auch andere Größen im Gebrauch, schlankere oder breitere. Man hält sich dabei an die vorhandenen Papeterien. Bei den Vermählungsanzeigen wird die Vorderseite häufig dazu benutzt, ein schönes Monogramm (die Anfangsbuchstaben der beiden Partner) oder ein feines, typografisch gesetzes Signet anzubringen. Auf den Innenseiten wird nun der eigentliche Text, die Vermählungsanzeige gesetzt. Wir müssen zwei Arten unterscheiden, nämlich die ältere, bei welcher die Anzeige durch die beiden Elternpaare geschieht, wobei auf der linken Seite die Anzeige der Eltern der Dame und auf der rechten Seite diejenigen der Eltern der Dame und auf der rechten Seite diejenige der Eltern des Herrn zu stehen kommt. Und weiter kennen wir die am häufigsten angewendete Form, auf welcher nur das junge Paar selbst seine Vermählung anzeigt. Bei der ersten Art, die meist titelmäßig gesetzt wird, ist darauf zu achten, dass die linke und rechte Seite sich gut die Waage halten. Man wendet hierzu meist symmetrische Satzart an, während bei der zweiten, häufigeren Art auch die neuzeitliche Gestaltungsweise Raum gewinnt.
Vermählungsanzeigen werden in schönen Zeilenfällen gegliedert und müssen vor allem ästhetisch und nicht reklamenhaft wirken. Auch die Verwendung einer zweiten Farbe kann die ganze Karte noch verfeinern. Die Vermählungsanzeige enthällt die Namen des Paares als wichtigste Zeile, sodann den allgemeinen Text, und dann folgt das Datum mit der neuen Adresse. Bei der Verlobungkarte werden die Adressen der beiden Verlobten angegeben. Bei Verlobungsanzeigen wird in der Regel der Name der Dame vorangestellt, bei Vermählungskarten umgekehrt. Als Schrift kommen klassische Antiqua- oder Mediäval-, sowie feine Grotesk- und überhaupt auch weitere gute neuzeitliche Schriftschnitte in Frage. Man kann druch die besondere Schriftwahl der Vermählungskarte einen bestimmten Charaker geben. |
Privatbriefpapier
Die Herstellung von Privatdrucksachen ist Vertrauenssache. Die Gestaltung des Satzes muss mit äußerstem Feingefühl vor sich gehen, um den geeigneten Typ zu schaffen, der zur Persönlichkeit des Auftraggebers passt. Als Schriften eignen sich besonders gut die edlen, klassichen Antiqua-Schriften. Auf die feinen Karten- und Gravurschriften und sogar Charakterschriften können in Betracht gezogen werden. Die Formung des Satzes lässt verschiedene Möglichkeiten zu. Neben ganz zurückhaltender Art wird auch die Anwenung von Monogrammen und Signets erwogen werden können. Hier muss der Akzidenzsetzer jedoch taktvoll erkennen, in welcher Weise Idee und Zweckbestimmung zu koordinieren sind. Passend zum Briefbogen müssen auch das Briefkuvert und die Briefkarte abgestimmt werden, alles muss wie ein Guss wirken. Bei der Briefhülle wird oftmals nur die Klappe auf der Rückseite bedruckt. Man kann dies in einer Zeile oder in einem schönen Zeilenfall vornehmen. Es eignet sich dazu der Kapitälchen- oder auch Versaliensatz. So bieten sich dem Gestalter also viele Möglichkeiten. Immer muss man aber im Auge behalten, dass nur eine gute Privatdrucksache eine gute persönliche Empfehlung ist. Die Gesamtwirkung hängt noch von der Wahl des geeigneten Briefpapiers ab. Neben guten weißen Papeterien gibt es auch leicht getönte. Die Qualitäten sind verschieden. Mit Feingefühl gilt es auch hierbei auszuwählen – man vermeidet am besten bunte Töne zugunsten von weißen oder höchstens silbergrauen Papierton. Wählt man einen geeigneten Ton, so muss die ganze Drucksachenserie einheitlich sein. |
Neujahrskarte
Der schöne Brauch, zum Jahresbeginn seine guten Wünsche zu senden, geht schon sehr weit zurück. Es gibt alte Holztafeldrucke aus der Frühdruckzeit, die als Neujahrskarten, oft in vielen Farben koloriert oder eingefärbt, zum Abdruck kamen. Auch heute senden Künstler ihren Freunden Radierungen, Holzschnitte oder Farbendrucke von ihren Bildern, um Freude zu bereiten. Auch im Typendruck werden viele schönen Neujahrskarten hergestellt. Wir wollen einen Unterschied machen zwischen Neujahrskarten, die nur den Glückwunsch ausdrücken und als ziemlich unpersönlich oder neutral angesehen werden müssen, und solche, die wirklich Werte in sich bergen und dem Empfänger Überraschung und Freude bereiten. Es sind dies die Karten mit literarischen Qualitäten, welche oft die besten Geistessätze der Denker und Dichter enthalten. Der Jahreswechsel steht bei den geistig eingestellten Menschen im Zeichen der Besinnlichkeit, sie werden wohl am besten solche Karten zu schätzen wissen. Die Aufgabe des Setzers ist es, würdigen Texten mit den passenden Satzelementen auch die passende Gestaltung zu geben – darin liegt eigentlich seine Kunst begründet. Diese Karten können, bibliophil oder symbolisch gesetzt, schönste Dokumente unserer Arbeit werden. |
Typographische Formen und Kontraste
Die Ausgangsformen der abendländischen Schrift geht zurück auf die Phöniker und Griechen. Im ??????????????????????????????????? erkennen wir die Wurzelformen der lateinischen Schriften,, die auf eine tiefe Symbolik hinweisen, die auch den berühmten Säulenordnungen der griechischen Tempelerbaue eigen ist. Diesen Vergleich zu ziehen ist sehr berechtigt, denn man erkennt leicht die Beziehungen und gleichen Absichten künstlerischen Ausdrucks und tiefer Symbolik. Dieser kann man sich nicht entziehen, wenn man mit diesen Formen gestaltet.
Das erfolgreiche Erstellen aller Drucksachen, die kontrastreich, d.h. spannungsreich und wirkungsvoll sein dürfen, bedingen vom typographischen Gestalter nicht nur Phantasie und gute Ideen, sondern vor allem auch das Wissen um die Ursprünge der Formen und Kontraste, durch welche die Wirkungen erreicht werden. Kontraste sind Gegensätze. Die Kunst des typographischen Gestalters ist es, die Ursprünglichkeit der Gegensätze durch die richtige Dosierung aufeinander abzustimmen und durch zweckvolle Anwendung zur Harmonie zu verbinden.
Dieses Abstimmen der Elemente aufeinander ist es, was die Schwierigkeiten bereitet. Mit Logik allein kann man dieses Gebiet nicht meistern, denn sie führt ohne das richtige Gefühl für die Dinge zu Trugschlüssen. Wie machoft hat man hören können: „In diese fette Umrandungslinie gehören fette Schriften, sonst fallen sie durch.“ Dabei muss man genau das Gegenteil machen, um zur Wirkung zu kommen: Das kräftige Element muss man mit Zarten begleiten, das Große mit Kleinem, das Ruhige mit Bewegtem, das Schmückende mit Einfachemund zwar möglichst so, dass die Häufung der Wirkungselemente die Zahl 3 nicht überschreitet. In zu großer Häufung der Elemente auf dem gleichen Blickfeld tritt nur zu leicht die wirkungsaufhebende Zersplittung ein. Dagegen können von Blickfeld zu Blickfeld im Wechsel recht gegensätzliche Gestaltungen und Gestaltungselemente erfrischend und belebend wirken, gleicherweise wie eine Reihe nebeneinanderliegende, interessant gestaltete Schaufenster. Jedes neu gestaltete Schaufenster im neuen Blickfeld wirkt nicht nur für seinen Eigenzweck allein, sondern zugleich als bereicherndes und abwechslungsreiches Gegenelement günstig und fördernd auf seine Nachbarschaft. Die gleiche Gesetzmäßigkeit der Wirkung und Gegenwirkung ist auch in der Typographie in Geltung. Es ist der Zweck dieses Artikels, das Verständnis für die Gesetzmäßigkeit der Wirkungen allgemein zu fördern. Die Beispiele mögen das Erkennen erleichtern helfen. Positiv neben Negativ, ruhige Formen in Verbindung mit beschwingtem Element, Schmückendes neben Glattem usw. Lassen immer wieder spüren, dass sie dorische, jonische und korinthische Trinität durch alle Zeiten und alle Epochen immer wieder abgewandelt wiederkehrt und von den schöpferischen Tätigen auch erkannt werden sollte. |
Geschäftliche Drucksachen
Die Geschäftsdrucksache sollte werbend wirken, und dies kann verbunden sein mit irgendwelchen originellen Einfällen und beabsichtigten Nuancen der Wirkung, zum Beispiel heiter order ernst, vornehm oder schlicht, massiv oder beschwingt, leicht oder schwer usw.
Unter geschäftlichen Drucksachen versteht man im allgemeinen: Geschäftskarte, Briefkopf, Rechnung, Briefkuvert, Prospekt und Werbedrucksachen, Aufträge also, welche der geschäftlichen Empfehlung, der Mitteilung, der Warenakündigung, der Versendung und Abrechnung diesen. Mit diesen Drucksachen, die nach außen das Gesicht des Geschäfts darstellen, muss das Vertrauen des Kunden erworben und gefestigt werden.
Jede gute Geschäftsdrucksache ist eine gute Geschäftsempfehlung, und es sollte daher nie versäumt werden, diese mit großer Sorgfalt zu behandeln. Die Geschäftsdrucksachen stellen ihrem Inhaber immer ein Zeugnis aus, wenn er sich ihrer bedient und angenommen werden muss, dass er zu ihnen in formaler Beziehung steht. Der Akzidenzsetzer muss hierzu mit feinem Einfühlungsvermögen die geeigneten Mittel wählen, die für die Branche passen und die nötige Stimmung erzeugen.
Es gilt Zurückhaltung zu üben, wo diese am Platze ist, und Originalität walten zu lassen, wo dieses als positives Moment zur Geltung kommen kann. Es stehen sich besonders bei diesen Akzidenzen die Möglichkeiten gegenüber, die sich aus dem vorhandenen Raum, den zu wählenden Satzelementen sowie der Farb- und Papierwahl ergeben. |
Geschäftskarte
Die Geschäftskarte hilft, das Geschäft voranzutreiben und abzuschließen. Mit der Bestimmung, beim Kundenbesuch der Anmeldung zu dienen, hat diese Karte in ihrer Anlage und Textgliederung bzw. Auszeichnung nach der logischen Seite hin Auskunft zu geben über: 1) Namen der Firma; 2) Branchenart; 3) Ort und Straße, Telefon, E-Mail, Webseite; 4) Spezialitäten; 5) evtl. Vertreternamen, wenn der Inhaber die Karte nicht selbst überreicht.
Nach der optischen Empfindung hin soll die Karte ästhetisch angenehm wirken, am besten in der Nuance, die der Branche entspricht, und wenn Farbigkeit erlaubt ist, in der Farbe, die dem Wesen der Drucksache am zuträglichsten scheint.
Als Formate gelten die Normalformate A6 oder A7. Man soll sich möglichst an diesen Größen halten, weil sie sich für das Sammeln eignen und die Branchenkartothekanlage erleichtern. Immerhin ist auch heute noch die Verwendung anderer Formate möglich, besondern dann, wenn es sich um Karten handelt, die nur hauptsächlich in Privathand gelangen und als Merkkarte für Abmachungen oder als Notizkarte einmalig wirken soll und die weniger gesammelt werden. Diese Karten bilden die angenehme Abwechslung gegenüber den Einheitsgrößen, weshalb sie auch für freie Formate ohne weiteres angewendet werden können. Als Schrift wähle man möglichst klare Charakterschriften wie Grotesk, Antiqua, Mediäval oder Egyptienne. Damit sind nicht etwa andere Schriften ausgeschaltet, die sich ebenfalls nach gutem Abwägen verwenden lassen.
Maßgebend für die Gestaltungsweise, ob Asymmetrie oder Symmetrie, ist die textliche Eignung. Bei der Bestimmung der Schriftgrößen suche man mit möglichst drei Graden auszukommen. Was zusammengefasst werden kann, wird zu möglichst wenig Gruppen vereinigt. Asymmetrisch lassen sich Aufzählungen gut reihenmäßig anordnen. Es können auch Signets angewendet werden. Beim Aufbau der Karte beachte man, dass die Schriftgrößen und die angelegten Gruppen sich gut steigern und Harmonie erzielt wird. Papierraum und Elemente wirken aufeinander und bilden einen harmonischen Ausgleich.
Bei den symmetrischen Karten gibt es solche mit und ohne Einfassung. Auch Randleisten können angewendet werden. Immer achte man darauf, dass die Geschäftskarten nicht zu stark mit Schrift gefüllt werden, sondern dass noch ein gewisser Papierraum bleibt. |
Briefkopf / Briefpapier / Briefbogen
Der Briefkopf ist der Geschäftsvordruck auf dem Briefpapier, welches der Geschäftskorrespondenz dient. Der vorgedruckte Briefkopftext enthällt die genaue Firmen- und Branchenbezeichnung, Ort und Straße, Telefon, Telefax, E-Mail und Webadresse. Er kann ferner noch Spezialitäten aufführen, jedoch mit der Erkenntnis, dass der Briefbogen nicht ein Prospekt ist, also nicht ungebührlich belastet werden sollte.
Wir unterscheiden in den Formaten A4 und A5. Die letzteren nennt man auch Halbbriefbogen. Sie werden heute auch im Hochformat gedruckt, obgleich das ältere Querformat, das Memorandum, trotzdem noch immer häufig gewünscht wird, weil die Normenvorschriften noch nicht überall durchgedrungen sind. Die genormten Formate sind aber überall eingeführt und haben sich für alle mitteilenden Drucksachen bewährt. Das Durcheinander der Formate ist verschwunden, die Ordnung in den Sammlern dadurch gewährleistet.
Auch die Satznormung sollte für die Geschäftsdrucksachen von allen Buchdruckern weitgehend gefördert werden, denn sie bietet manche Vorteile. Durch die Satznormen-Vorschriften werden dem gestaltenden Setzer noch genügend Möglichkeiten geboten, um seinen Gestaltungsdrang wirken zu lassen. Man muss sich vor allem den Platz des Anschriftfeldes merken und auch, dass der linke Heftrand 20mm beträgt. Bei der Anordnung der Hauptzeilen ist darauf zu achten, dass die Vertikalfalzung (bei Verwendung der Briefhülle C6) nicht durch die Schrift geht. Meist kann man dies gut umgehen durch geeignete Stellung der Elemente. Der Briefkopf wird in der Regel so gesetzt, dass er zugleich für das Rechnungsformular verwendet werden kann. Alle Drucksachen der gleichen Firma sind ohnehin einheitlich zu gestalten, dass sie eine Serie bilden.
Unten am linken Papierrand soll die Schlussmarke nicht übersehen werden, welche bezweckt, den Schluss des Briefbogens bei Maschinenschrift anzuzeigen. Die Schlussmarke hat einen Abstand von 30mm von der unteren Bogenkante. Der Briefkopf kann oben auf dem Raum von 45mm Höhe platziert. Wir unterscheiden Eckbriefköpfe und solche, die sich auf ganze Papierbreite, den Papierrand abgerechnet, ausdehnen. Nichtgenormte Geschäftsbriefbogen sind in der Höheneinteilung frei.
Der Briefkopf kann symmetrisch und auch asymmetrisch gestaltet werden – das richtet sich nach dem Text und nach der Eignung. Die Wahl der Schriftart gibt dem Briefbogen das Gesicht, diejenige das Papiers und der Druckfarbe erfüllen ein übriges. Für bestimmte Branchen lassen sich auch getönte Papiere anwenden. Man halte sich jedoch an ganz leichte Töne, denn stark gefärbte Papiere wirken leicht kitschig. Am besten sind wohl immer die weißen, neutralen Papiere. Man muss als Gestalter stets daran denken, dass der Briefbogen diejenige Drucksache ist, welche an die ersten Geschäftsbeziehungen anknüpft und damit angenehme Eindrücke hinterlässt oder nicht. Dies verpflichtet uns, der Gestaltung des Briefkopfes die notwendige Pflege angedeihen und ihn damit zu einer guten Geschäftsempfehlung werden zu lassen. |
Briefumschlag
Die ist eine abhängige Drucksache, abhängig nämlich, weil sie immer die Hülle bildet für irgendeine schon vorhandene, zur Versendung kommene Einlage. Die Abhängigkeit bedingt immer eine geschmackliche und formale Anlehnung an die inliegende Drucksache, meist an den Briefbogen oder an die Briefkarte. Man verwendet zum Satz der Briefhülle die gleiche Schriftart in der gleichen Gestaltungsweise wie der inliegende Briefbogen. Die Briefhülle soll in den Schriftgraden eher zurückhaltend sein, damit der Briefbogen innen sozusagen das Fortissimo zu ihr bildet und nicht etwa durch das Kuvert schon vorweg in der Wirkung abgeschwächt wird. Der Schrifttext beschränkt sich bei der Briefhülle auf den Namen der Firma, den Ort, die Straße, das Postfach und evtl. Telefon. Übrigens wird nach dem Öffnen des Briefes der Umschlag weggeworfen. Das Bedrucken des Kuverts dient vor allem der Post, damit Rücksendungen wieder an den Absender gelangen können. Die Briefhüllen sind bekannt als Reihe C. Der obere Drittel ist für die Postvermerke und die Frankatur vorgesehen. Der linke Drittel ist für den Absender bestimmt. Man kann an den Abgrenzungen dünne Linien einsetzen oder nicht, muss aber unbedingt die richtigen Räume einhalten. Außer der normalen Kuverts gibt es Selbstklebehüllen, welche hygienisch völlig einwandfrei funktionieren, in dem das Anfeuchten beim Verschließen durch die bereits vorhandene Klebemasse wegfällt. Die länglichen Kuverts C6/5 eignen sich besonders dann gut, wenn der Brief mit Fortsetzungsblättern ergänzt wird. So kann der Vertikalfalz, der zum Beispiel beim Format C6 notwendig wäre, vermieden werden, der den Brief sehr dick machen würde. |
Prospekt und Werbedrucksachen
Prospekt und Werbedrucksachen gehören zu den anschaulichsten Drucksachen, die das Auge erfreuen und auf längere Zeit befriedigen sollen. Es ist die besondere Eigenart der Werbung, originell wirken zu dürfen, weshalb gute Ideen bei der Gestaltung von Werbedrucksachen ganz besonders beliebt sind. Doch soll jede Idee aus dem Inhalt der Drucksache hervorgehen, ihn gewissermaßen bestätigen. Die Gestaltung von Prospekten und Werbedrucksachen stellt an den Akzidenzsetzer ganz besondere Anforderungen. Ein Werbedruck soll einen guten Gesamteindruck machen, aber auch die Werbung klar erkennen lassen.
Durch originelle Falzungen, Anwendungen von Bildern, Schmuck und Farbe, die sinnvoll und harmonisch verarbeitet werden müssen, kann Erfreuliches entstehen. Es gibt keine andere Drucksachengattung, welche so viele Varianten erlaubt wie die Werbedrucksache. Die volle Auswertung aller Spannungsmöglichkeiten zwischen den Beziehungen von Fläche und Schrift, von Bild zu Schrift, von Schmuck zu Schrift und Schriftelement zu Schriftmasse ist gegeben. Darin besteht die Leistung des Gestalters, alle diese Möglichkeiten mit dem Zweck, dem geistigen Inhalt in Einklang zu bringen. Einige Grundsätze bei der Gestaltung der Werbedrucksache im allgemeinen sollen wegleitend sein:
- Der Umfang des Inhalts und das Vorhandessein des Raumes bestimmt die Schriftgröße. Es gibt kein endgültiges Rezept für die Bestimmung der Schriftgröße, denn jede Werbedrucksache stellt neue Bedingungen. Zu kleine Schrift ist schlecht lesbar, zu große Schrift ist aufdringlich und wirkt grob. Die Größe der Papierfläche unter Einbeziehung der Masse der Schrift erlaubt die Bestimmung der Größe der Grundtypen.
- Die erstrebte Nuance ist maßgebend für die Wahl der Wirkungselemente, die zwischen Typen, Flächen, Bildern abwechseln können. Bei einem Faltprospekt zum Beispiel werden mit bestem Erfolg auf jeder neuen Seitenfläche neue Situationen geschaffen und die Wirkungselemente abgewechselt. Diese Wechselwirkungen sind, gegeneinander angewendet, erfrischend und belebend. – Jedenfalls ist eine weise Beschränkung auf das Wesentliche, Zweckdienliche zu empfehlen. Die Anwendung von etwa drei Wirkungselementen auf der gleichen Fläche wird voll ausreichen zur Belebung und harmonischen Spannungsbildung. Ein Zuviel davon bringt Unruhe, ein Zuwenig aber Langeweile. Im richtigen Erkennen der jeweiligen Situation liegt die schöpferische Lenkung zum Gelingen begründet. Die meisten Fehler entstehen durch Überbetonung oder durch stumpfsinnige Gleichbetonung.
- Eine weitere Grundbedingung guten Gestaltens ist die Abgewogenheit der Fläche und der Gruppen. Man denke auch an das Gegenspiel von Senkrechter und Waagerechter und an die Möglichkeit der Schrägen. Als Gesaltungsart wird sich für die Werbedrucksache die asymmetrische Formung eher eignen als die symmetrische, da sie spannungsreicher, vielseitiger und dynamischer ist.
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Plakat
Das Plakat ist auf Fernwirkung eignestellt und soll dies auchin seiner ganzen Anlage erkennen lassen. Beim Plakat ist das Wichtigste die Schlagzeile des Anlasses, welche entsprechend hervortreten soll. Plakate müssen gut gegliedert sein und sollen nur wenige Schriftgrade zeigen. |
Glückwunschkarte / Glückwunschadresse
Zum Arbeitsjubiläum, zum Geschäftsbestehen, zur Beglückwünschung aller im Leben, im Berufe oder im Verein vorkommenden feierlichen Anlässe dient die Glückwunschadresse als würdiges Mittel, den Jubilar zu ehren, zu erfreuen. Die Glückwunschadresse als eine Variante der eigentlichen Urkunde soll erfreuen, ehren und dokumentieren. Das Feierliche kann durch charaktervolle Schriften, durch Wahl außergewöhnlicher Formate mit viel Papierraum, durch Anwendung geeigneter Farben, durch Verwendung von Emblemen, zum Beispiel der Lyra (bei Juiläen, die mit der Musik zusammenhängen), Wappen, Berufszeichen usw. Ausgedrückt werden. Eine solche Drucksache soll sich von den alltäglichen Arbeiten abheben und eine deutliche Unterscheidung vom Profanen erkennen lassen. Vor allem soll der zur Verwendung kommende Text sprachlich völlig einwandfrei abgefasst sein. Hier lässt oft die Klarheit des Ausdrucks zu wünschen übrig, indem trotz guten Willens seitens des Auftraggebers der gegeben Text diese Bedingung nicht erfüllt. In jedem Fall, wo es notwendig erscheint, sollte die Druckerei taktvoll helfend eingreifen durch gutbegründeten Vorschlag. Die Rücksprache, die in diesem Falle einmal der Textbereinigung sowie unter Vorlegung eines zuvor angelegten Satzentwurfes der Formung dient, wird reiche Früchte tragen, denn dieses besondere Bemühen im Interesse des Gelingens der Arbeit muss jeden verständigen Auftraggeber erfreuen und ihn von der guten Absicht des Buchdruckers überzeugen. Die Folge davon wird sein, dass ganz allgemein das Vertrauen zu den Buchdruckern gesteigert wird, das wiederum im Interesse des ganzen Gewerbes liegt. |
Urkunde
Die vornehmste unserer Akzidenzdrucksachen ist die Urkunde. Es ist diejenige Arbeit, die zu den monumentalen Werken der Setzerei zählt. Ihre Behandlung als Gestaltungsaufgabe ist denn auch eine besondere. Urkunden sind in gewissem Sinne Dokumente, die auf lange Zeit Geltung haben sollen, oft auch eingerahmt werden, auf jeden Fall also allen Ansprüchen an Würde, Ästhetik und Stilreinheit genügen müssen. Diese Erkenntnis schaltet alles Modische aus, um Klassischem, Bleibendem Platz zu machen. Wenn man zwar auch einwenden kann: „keine Regel ohne Ausnahme“, so ist doch im wesentlichen auf die angedeuteten Grundbedingungen zu achten. Bei der Wahl des Papiers ist vor allem auf Echtheit des Materials Wert zu legen. Nur holzfreies Papier, keine Imitationen, keine Vortäuschungen, sondern nur echter Werkstoff können den Wert der Urkunde unterstreichen. Alles Unechte aber läuft dem eigentlichen Sinn der Urkunde zuwider. Im allgemeinen wird symmetrisches Gestalten die passendere Art sein als asymmetrisches – die Urkunde ist damit zeitloser. Die Symmetrie oder Mittelachsengruppierung wird sich für die Typographie der Dokumentation also besser eignen, denn sie drückt die Art der Beständigkeit, der Ruhe und Bewährung stärker aus, als dies die dynamische und wandelbare der Asymmetrie könnte. Immerhin würde zum Beispiel eine Urkunde für typographische Leistungen sich des neuzeitlichen Ausdruckes der dynamischen Formung wohl bedienen können, um die zeitgebundene Strömung im Stilempfinden prägnant zum Ausdruck zu bringen. Der Gestalter muss mit Feingefühl entscheiden, welche Gestaltungsweise für die Urkunde passt.
Die Urkunde bildet die höchste Stufe der Dokumentierung. Das heisst: „für alle Zeiten kundtun“. Es ist also eine außergewöhnliche Aufgabe für den Gestalter zu bewältigen. Alles, was bei der Glückwunschadresse angedeutet wurde, gilt auch bei der Urkundengestaltung, jedoch in gesteigertem Ausmaß. Kein billiger Effekt darf spürbar werden, sondern die Urkunde muss der Ausdruck letzter Reife sein. Die Aufgabe der Urkunde ist es, im Gegensatz zur Glückwunschadresse, den Empfänger von der Verleihung beruflicher, staatsbürgerlicher oder akademischer Würden in feierlicher Weise in Kenntnis zu setzen.
Der Aufmachung der Urkunde sind, je nach dem Wert, den man ihr geben will, kaum Einschränkungen auferlegt. Sie kann als Einzelblatt oder gefaltzt zweiseitig entweder in einer Mappe oder in einer Rolle überreicht werden. Für die einseitige Ausführung spricht, dass man sie so einrahmen kann. Urkunden erhalten oftmals ein amtliches oder berufliches Siegel oder eine Siegeloblate, welche der Urkunde die richtige Bedeutung und mehr „Gewicht“ geben. Es werden auch etwa Wappen angewendet, wobei man allerdings darauf achten muss, dass die heraldischen Bedingungen, die sich auf die Wappenform und die Farbgebung beziehen, eingehalten werden. Bei der Wiedergabe (Reproduktion) der Wappen muss man sich genau an die Originalformen halten. Jede Abweichung wäre eine Verfälschung, welche den künsterischen Wer der betreffenden Arbeit vermindern würde. So darf keinesfalls aus „künstlerischen“ Gründen bei den Stadtwappen mit Mauerkronen die Anzahl der Zinnen (oder Türmchen) verändert werden. Bei Mauerkronen einfacher Städte sind stets nur drei Zinnen, bei den Hauptstädten sind Mauerkronen mit fünf Zinnen zu beobachten. Die Wappen sind stets farbig. Bei einfarbiger Wiedergabe werden die Farben oftmals durch sogenannte Schraffuren angedeutet. Die Schraffuren sind schon seit 1639 in Gebrauch.
Beim Zeichnen von Wappenformen darf man also nicht irgendwelche Phantasieformen anwenden, sondern man sollte sich an die genauen Unterlagen aus den Wappenbüchern halten. Außer den bereits angeführten Mauerkronen gibt es auch noch andere heraldische Kronen.
Die wichtigsten sind: Die Grafikkrone mit 9 Zacken, die Freiherrenkrone mit 7 Zacken, die Adelskrone mit 5 Zacken. Mit gleicher Zackenzahl kennen wir noch die Blätterkrone, die man auch die heraldische Krone nennt. Alle Formungen, die aus Unkenntnis der heraldischen Grundgesetze trotz guten Willens und trotz Begabung zum Zeichnen entstehen, sind falsch, wenn sie nicht der Heraldik entsprechen. Bei Form- oder Farbbestimmungen sind die offiziellen Wappenbücher unbedingt zu Rate zu ziehen. Es genügt oft nicht einmal, sich an irgendein gemaltes Familienwappen zu halten, denn auch dort ist mancher Irrtum hineingereicht worden, den man nicht nachmachen sollte. |
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